Das Üben der Intonation
Erik Nestler mit SELMER Saxophon

 

Das Üben der Intonation

von Erik Nestler


Kein Instrument stimmt zu 100% in sich. Das gleiche trifft auch auf das Saxophon zu. Spätestens wenn man mit anderen zusammen spielt, stellt man fest, dass kein Ton dem anderen gleicht. Die Rede ist von der Intonation.

Keine reinen Intervalle


Die konische Bauform des Saxophons bringt Probleme in der Stimmung mit sich. Reine Intervalle sind keine reinen Intervalle und es fällt auf, dass Oktaven teilweise weit auseinander liegen. Generell lässt sich sagen, dass die tiefe Lage meist zu tief ist (Ausnahme Tief H und B). Die Töne der 2. und 3. Oktave (g'' aufwärts) sind meist zu hoch.

Diese Probleme werden exponentiell größer, je extremer die Lage des jeweiligen Saxophons wird. Wer einmal die Gelegenheit hat, ein Sopranino- oder Basssaxophon zu  testen, wird feststellen, dass es sehr schwierig ist, diese Instrumente sauber zu spielen.

Stimmgerät anschaffen


Was also tun? Zunächst lohnt sich die Anschaffung eines Stimmgerätes (bekommt man bereits ab 9 €). So kann erst einmal festgestellt werden, wie weit die einzelnen Töne von der Norm abweichen und vor allem in welche Richtung sie abweichen. Am besten legt man sich dazu eine kleine Übersicht an. Nun wird offensichtlich welche „Problemtöne“ es auf dem eigenen Instrument gibt.

Intonationsgriffe


Viele Probleme lassen sich durch Intonationsgriffe lösen. Zum Beispiel lassen sich ein zu hohes c''' oder cis''' wunderbar regulieren, indem man sie mit der rechten Hand (4+5+6) abdeckt. Ein zu tiefes Es kann man mit der Cis-Klappe ausgleichen und g' wird mit der Tf-Klappe (Fis Triller) höher.

All das folgt einem einfachen Prinzip: Nimmt man eine Klappe dazu wird der Ton tiefer, öffnet man eine wird er höher. Bei durchschnittlich 22 Klappen bieten sich da natürlich vielfältige Möglichkeiten, die man in Ruhe zu Hause ausprobieren sollte.

Das Gehör schulen


Schlägt ein Ton ganz aus der Norm kann man auch einen Instrumentenbauer bitten, die jeweilige Klappenöffnung zu verändern. Um jedoch schnell und flexibel reagieren zu können, muss man zunächst sein Gehör trainieren. Wer ein Streichinstrument lernt, wird von Anfang an geschult seinen Ohren zu vertrauen, da es keine festen Griffe gibt. Als Saxophonist verlässt man sich leider all zu oft darauf, dass es reicht die richten Klappen zu drücken.

Intonation wird im Unterricht entweder gar nicht oder erst spät thematisiert, dabei ist sie gerade auf dem Saxophon ein echtes Problem. Glücklicherweise gibt es gezielte Übungen für eine gute Intonation. Mundstückübung und Intervall-Übung mit einem Referenzton – beide sind auch am effektivsten.

 

Zwei Übungen zur Intonation

 

Mundstückübung

Hier wird die Flexibilität von Lippen und Kehlkopf trainiert. Dafür braucht man nur das Mundstück (ohne S-Bogen).

Zunächst hält man einen geraden Ton aus.

Als zweites spielt man ein Glissando nach unten. Dafür den Kehlkopf entspannen und nach unten gleiten lassen – wie beim Singen. Ziel ist es das Glissando so gleichmäßig und weit wie möglich nach unten zu spielen.

Es ist ein völlig neues Spielgefühl und wird nicht beim ersten Mal gelingen. Nicht aufgeben!

Am Anfang sollte eine große Terz das Rahmenintervall bilden, später die Quinte und für Fortgeschrittene weiter bis zur Oktave.

Anschließend spielt man einzelne Intervalle von der Sekunde bis zur Oktave. Falls ein Klavier vorhanden ist, kann man die Töne nun auch überprüfen.

Nun lassen sich schon kleine Lieder allein auf dem Mundstück(!) spielen. Das macht es vor allem für Kinder attraktiver. Die Mundstückübung eignet sich hervorragend zum Aufwärmen vor dem Üben.

Intervall-Übung


Sensibilisiert das Gehör und trainiert den Einsatz von Intonationsgriffen. Man braucht zunächst einen Referenzton, z.B. von einem E-Piano oder Klavier. Heutzutage haben auch die meisten Stimmgeräte und selbst Metronome einen oder mehrere Stimmtöne.

Nach dem obligatorischen Einstimmen stellt man nun einen Grundton nach Wahl (z.B. a') ein und spielt darauf zunächst die reinen Intervalle, also Quinte und Oktave.

Danach kann man auch Dur- bzw. Moll-Terzen ausstimmen. Ein Ton ist immer dann „stimmend“ wenn es keine Reibungen mehr gibt. Bei den reinen Intervallen kann man sogar einen viel tieferen Differenzton (Bourdon-Quinte) hören, der mitklingt.

Kleine Veränderungen macht man mit der Lippenspannung:
Lippen spannen = höher;
Lippen entspannen = tiefer.

Generell ist es immer einfacher einen Ton auf diese Art tiefer zu machen. Bedingt durch das Mundstück mit Einzelrohrblatt gibt es nach oben eine natürliche Grenze. Die Erhöhung der Töne erreicht man am besten mit den Intonationsgriffen.

Erik Nestler arbeitet als Musikschullehrer in Hamm. Im Ensemble SELMER Saxharmonic spielt er das Sopranino-Saxophon.

Das Üben der Intonation als PDF (62 KB)