SELMER ALTO REFERENCE

SELMER Alto Référence 54

von Klaus Dapper

Schon lange warten die Saxophonisten ungeduldig auf das Erscheinen eines neuen Reference Altsaxophons, nachdem 2001 die beiden Reference Tenor-Modelle ´36´ und ´54´ auf den Markt kamen. Nun ist es soweit: unter professionellen Live-Bedingungen im Musiktheater Gelsenkirchen kommen wir der wahren Qualität des neuen 54-er-Altos auf die Spur....

Die Pariser Firma Henri Selmer ist allen Saxophonisten bestens bekannt: Selmer Saxophone haben unter Saxophonisten etwa den Ruf, den Mercedes unter Autofahrern hat. Die Firma wurde 1885 gegründet und ist bis heute in Familienbesitz. Henri Selmer war Klarinettist: Die Produktion begann mit Klarinettenblättern und Mundstücken. Seit 1890 wurden bei Selmer Klarinetten gebaut. Nach und nach kamen andere Holzblasinstrumente dazu. 1904 gründete Henris Bruder Alexandre Selmer - ebenfalls Klarinettist - eine Niederlassung in Amerika, die dem Vertrieb der in Paris hergestellten Instrumente diente. 1919 zog die Fabrik in den Pariser Vorort Mantes um, wo sie noch heute ihren Sitz hat. 1921 begann man bei Selmer mit der Herstellung von Saxophonen. 1928 übernahm Selmer die Firma von Adolphe Sax (Sohn) und wurde damit direkter Nachfolger des genialen Erfinder des Saxophons.
Während Selmer (Paris) bis zum 2. Weltkrieg einer unter vielen Saxophon-Herstellern war, erwarb man nach dem Krieg besonders in den USA schnell eine dominierende Stellung. Aufgrund des Wechselkurses zwischen den europäischen Währungen und dem amerikanischen Dollar (Ende der 50-er Jahren lag der Dollar bei über 4- DM) waren die Instrumente europäischer Hersteller in USA konkurrenzlos billig. Selmer Saxophone eroberten den amerikanischen Markt, der amerikanische Saxophonbau brach langsam zusammen. Fast alle namhaften amerikanischen Jazz-Saxophonisten spielten in jenen Jahren Selmer Saxophone.


Hintergrund der Reference-Serien ist folgender: Die Firma Selmer muss sich spätestens seit der Ablösung des Mark-VI Modells durch das wenig geliebte Mk-VII im Jahre 1974 bis in die heutigen Tage das Genörgel der Saxophonisten anhören - die alten Modelle seien immer noch die besten, und die später folgenden Modelle kämen da nicht heran, egal, was auch immer bei Selmer unternommen wurde. Das 1981 aufgelegte 80 Super Action sei hinsichtlich der Spieleigenschaften zwar etwas näher am Mark VI, sagt man, aber nur ein bisschen. Die 1986 erschienene Serie II sei wieder etwas näher, auch die Serie III habe etwas. Aber am besten seien trotzdem immer noch die alten Hörner. Patrick Selmer hat dies in einem Interview vor vielen Jahren so beschrieben: Es sei, als würden ein paar alte, ausgelatschte Pantoffel mit einem neuen Paar Schuhe verglichen. Da schneiden die neuen Schuhe zunächst immer schlechter ab.
Dazu kam, dass viele internationale Hersteller seit den 70er Jahren mehr oder weniger offen das Mark VI kopiert haben, sowohl Mensur und Tonlochnetz, als auch das Klappendesign. Die ersten in Deutschland verkauften Yanagisawa-Saxophone Mitte der 70er Jahre machten keinen Hehl daraus, das amerikanische Selmer Omega galt bei seinem Erscheinen im Jahre 1982 als beste Mk-VI-Kopie, schließlich war auch das 1980 aufgelegte 62er Yamaha dem Mk-VI sehr ähnlich. Später brach eine wahre Flut von ´Selmer-style´ Saxophonen von Taiwan über Europa herein. Immer wieder wurden Wünsche an Selmer herangetragen, ebenfalls eine Kopie des alten Modells aufzulegen. Mit den "Reference"-Serien gab man diesem Drängen teilweise nach, allerdings nicht im Sinne einer exakten Kopie des alten Modells. Es hätte sich sowieso wieder der Chor der ´Retros´ erhoben, die echten alten Modelle seien immer noch besser. Also kombinierte man charakteristische Merkmale von Klappenwerk, Mensur und Tonlochnetz des Vorbilds mit neuen Elementen. Die nicht in jeder Hinsicht optimale Intonation des Vorbilds wurde in einigen Punkten korrigiert, einige weniger strahlende Töne durch Vergrößerung der Endlöcher verbessert und Verbesserungen im Klappendesign aus aktuellen Serien übernommen.


Auf der Frankfurter Messe 2003 wurde jetzt das Reference 54 Alt vorgestellt. Wieso 54? 1954 war das Jahr, in dem Selmer Paris die ersten Mk-VI-Saxophone baute. Wir erhielten das zur Zeit des Tests noch einzige in Deutschland verfügbare Modell(!) direkt von der Messe für einen Test. Das Instrument hat die Serien Nr. 631257. Diese Nummer sollten sich die Besitzer von Serien-Nummer-Bibeln notieren. Es ist eines der ersten 10 Reference 54 Altos. Nachdem ein Prototyp bei Selmer abgesegnet worden war, wurden in einem ´Probelauf´ unter normalen Produktionsbedingungen weniger als 10 Instrumente hergestellt, von denen der deutsche Vertrieb eines erhielt, das wir nach der Messe für diesen Test erhielten. Die Serien-Produktion soll nach den entsprechenden Rückmeldungen Anfang Mai beginnen.

Ausstattung
Das Instrument ist in Goldlack ausgeführt. Der Farbton allerdings ist ein ungewöhnlich dunkler Goldton, er geht ein wenig in Richtung braun. Auch hierzu sind einige Worte zu sagen. Die Schmecklecker unter den Mk-VI-Spielern achten sehr auf den Farbton der älteren Instrumente. Dies ist und war allerdings weniger eine Frage der Optik: Die in den USA verkauften Selmer Mk-VI Saxophone wurden seinerzeit nicht als fertige Instrumente exportiert, sondern als Halbfertig-Teile. Sie wurden in dem Schwester-Werk Selmer (USA) zusammengebaut, lackiert und mit Polstern versehen. In Amerika wurde ein anderer Lack verwendet als in Frankreich, der - zumindest nach einigen Jahrzehnten - deutlich dunkler war als der französische. Während in Frankreich Epoxydlack verwendet wurde, soll ungesicherten Berichten zufolge bei Selmer (USA) Zellulose-Lack verwendet worden sein. Da die Lackierung unbestritten einen Einfluss auf den Sound des Instruments hat, entwickelten sich bestimmte Vorlieben. Ein Teil der Saxophonisten schätzten den Sound der amerikanischen Mk-VI Saxophone mehr als den der in Europa verkauften. An diese ´amerikanischen´ Instrumente erinnert der Farbton der ´Reference 54´ Altsaxophone, obwohl es sich mit Sicherheit um einen modernen Lack handelt, dem nur ein anderer Farbzusatz zugefügt wurde. Im Gegensatz zu dem "˜Reference 54’ Tenor, bei dem durch eine besonders getönte Matt-Lackierung die stumpfe Optik der von vielen Jazzern verwendeten lacklosen und zum Teil dunkel angelaufenen Instrumente nachgebildet wurde, halten wir die Optik des Reference Altos für außerordentlich gelungen.
Die Achsböckchen sind - typisch für Selmer Saxophone - in Gruppen auf Schienen vormontiert. Das Kniestück verfügt über die heute übliche Steckverbindung. Sie wurde von Selmer unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg entwickelt und mittlerweile von nahezu sämtlichen Herstellern weltweit übernommen. Der über der Steckverbindung liegende Spannring ist nicht zweigeteilt, wie bei den neuesten Modellen, sondern einteilig wie bei Mk-VI bis 80SA üblich. Für die Justierung der Klappenkoppelung besitzt das Instrument zwei Einstellschrauben mehr als das Original: Zunächst die üblichen fünf Einstell-Schrauben: F-B-Gis-Koppelung, gegliederte Gis-Klappe, Tief-Cis-Verbindung, vorderer hoch-Fis-Hebel. Darüber hinaus ist die Tief-Cis-Sperre an der tiefen H-Klappe und die Koppelung Tief-H-/ Tief-B - wie bei der Serie III - über eine Einstellschraube regelbar. Die vier Anschläge in den Körbchen der Knie- und Becherklappen sind ebenfalls in der seit über 50 Jahren bewährten Art mit dem Schraubenzieher verstellbar. Für die Klappenanschläge und Koppelungen verwendet man Naturkork bzw. Filz, zum Teil sogar in Kombination: Filzscheiben unter Kork-Füßchen. Verwundert haben uns die in drei Einstellschrauben befindlichen, bislang nur von Taiwan-Saxophonen bekannten, rosafarbenen Kunststoff-Einsätze. Auch die S-Bogen-Klappe hat zum Schutz vor Beschädigungen einen Anschlag-Kork, an den man in den 50-er Jahren noch nicht gedacht hat. Auf das unmittelbar über der Steckverbindung aufgelötete Typenschild wurde wahrscheinlich aus akustischen Gründen verzichtet. Wahrscheinlich aus demselben Grund wurde die untere Verstärkung des S-Bogens durch einen schmalen Draht ersetzt.
Die zehn Finger-Einsätze sind selbstverständlich aus echtem Perlmutt, nicht aus Kunststoff. Auch bei der vorderen Hoch- F-Klappe ist man von dem tropfenförmigen Metall-Drücker wieder zu einem Perlmutt-Knopf zurückgekehrt. Auch die Kleinfinger-Klappen entsprechen dem Mk-VI-Design. Dies war 1954 das fortschrittlichste und ist bis heute trotz zahlreicher Versuche unübertroffen. Zu jener Zeit präsentierte Selmer als erster Hersteller die bald von der ganzen Welt übernommene B-Wippe für den linken kleinen Finger. Die Griffteile haben dieselbe Lage und Größe wie von Mk-VI gewohnt. Auch die Griffteile für den rechten Finger entsprechen dem (späten) Mk-VI. Dies ist erfreulich, denn sämtliche späteren Veränderungen, wie Vergrößerungen der Drücker oder Achsanordnung nebeneinander oder in zwei Etagen untereinander für Es und C, schafften eher Verschlechterung als Verbesserung. Sämtliche Federn und Schrauben sind nach wie vor aus Blaustahl, die Daumenauflage (links) ist aus schwarzem Kunststoff. Beim Daumenhaken (rechts) hat sich etwas getan - der Haken ist trendgemäß wieder aus Metall. Das alte Design mit der tropfenförmigen Unterlegscheibe unter der Schraube ist allerdings der von Serie III bekannten Rundscheibe gewichen. Das mussten wir näher untersuchen. Wir lösten die Schraube und siehe da: Der Daumenhaken ließ sich nicht nur seitwärts, sondern auch in der Höhe verstellen. Einige weitere Bemerkungen zum Design des Klappenwerks: Der Hoch E-Drücker ist wieder flach gestaltet, ohne Anschlag (´Stopper´). Dies ist das einzige Detail, von dem wir weniger begeistert sind. Den Anschlag hat sicher nicht jeder Saxophonist benötigt, aber gestört hat er wohl auch niemanden. Die Polster sind - wie in guten alten Zeiten - mit braunen Kunststoff-Reflektoren ausgestattet. Sie sind anscheinend nicht imprägniert, es gibt beim Öffnen erfreulicherweise absolut keinerlei Schmatz-Geräusche.
Der Firmen-Stempel und der Modell-Name ´Reference 54´ liegen unter der Lackschicht, die Schallbecher-Gravur nach historischem Vorbild (´Reference-Gravur´) ist, wie bei Selmer üblich, nach der Lackierung aufgebracht, wodurch eine attraktive Zweifarbigkeit von dunklem Lack und sich hell abhebender Gravur ergibt.
Bei einem Vergleich der Schallbecher eines Mk-VI und des Reference Modells ergibt sich ein deutlicher Unterschied. Der gesamte Schallbecher ist größer mensuriert, der Becherrand hat mit 125 mm statt 120 mm einen 5 mm größeren Durchmesser. Die drei untersten Tonlöcher und die sie verschließenden Deckel sind deutlich größer.

Verarbeitung
In dieser Hinsicht ist das Reference über jeden Zweifel erhaben. Alle Lötstellen sind perfekt, was aber heute nicht mehr so schwierig ist, da Zinnreste galvanisch entfernt werden und nicht mehr von Hand. Hinsichtlich der Lackierung, inklusive Vorarbeiten, wurde ebenfalls tadellos gearbeitet. Im gesamten Klappenwerk waren weder Spiel noch toter Gang zu beobachten. Zum Aufspüren von Deckungsfehlern wurde eine Leuchtstoffröhre im Instrument versenkt: Auch in diesem Punkt war tadellose Arbeit geleistet worden. Es ist - gerade heute - sehr erfreulich, dass bei Selmer anscheinend wieder kompromisslos auf Qualität geachtet wird, da dies von Selmer Saxophonen in der Vergangenheit nicht immer gesagt werden konnte. Wir hoffen, dass dies bei der Reference Serien-Produktion genauso sein wird.

Spieltest
Interessant ist natürlich ein Vergleich mit dem Altsax-Modell, an das das Reference erinnern soll. Aber an welches? Mk-VI Saxophone wurden von 1954 bis 1976 hergestellt, in dieser Zeit mehrfach überarbeitet und Tonlochpositionen und - größen geändert. Wir hatten die Möglichkeit, das Testinstrument mit einem 50-er-Jahre Mk-VI und einem 70er-Jahre Mk-VI zu vergleichen; die Ähnlichkeit mit dem etwas offeneren Klang des jüngeren Instruments ist größer.

Fingerfreundlichkeit
Das Griffgefühl ist wie erwartet sehr ´mark-sechsig´. Die Grifflage ist etwa wie bei späten Mk-VI Saxophonen; angenehm sind die weichen Konturen der Perlmutt-Knöpfe. Man fühlt sich auf dem Instrument sehr schnell zu Hause.

Ansprache
Wie das Vorbild ist das Reference Alt kein Instrument, das sozusagen von selber spielt. Der merkliche Blaswiderstand hat mit den großflächig aufgelöteten Schienen zu tun, welche die Klappenmechanik tragen. Sie bedämpfen die Schallröhre nicht unerheblich. Dies ist kein Fehler des Instruments; es entspricht dem Bedürfnis vieler Saxophonisten aus dem Jazz- und Pop-Bereich, die gerne mit mehr Druck spielen als z.B. die Klassiker. Wem der Blaswiderstand der Mk-VI Reihe angenehm war, der wird sich auf diesem Instrument wohl fühlen. Wer es gerne bequemer mag, sei auf das "Serie III"- Instrument verwiesen.´

Intonation
Bei der Sitzung mit dem Stimmgerät wurden Tests in 440/442/444Hz Stimmung und drei verschiedenen Mundstücken gemacht. Es zeigte sich wieder, dass die Intonationskurve eines Instruments sehr von dem verwendeten Mundstück abhängt. Unsere Klassik-Kombination Yamaha 4C mit Vandoren 3 passte nicht besonders gut zu diesem Instrument. Besser gefiel es uns mit der Jazz-Kombination Charles Bay 7AJ und 2er Rico Blatt. Allerdings tendierten einige Töne der 2. und 3. Oktave deutlich nach oben. Das beiliegende Selmer Soloist E mit Rico 2 brachte die ausgeglichenste Intonationskurve zustande. Es hat nicht die quadratische Öffnung wie die modernen Selmer Mundstücke; seine Öffnung ist hufeisenförmig (´horseshoe type´). Es passt sehr gut zum Reference und soll hiermit wärmstens empfohlen werden. Am besten schien die Intonation bei einem tiefen-A (440 Hz) zu sein. Auch 442 Hz war für das Reference kein Problem. Übrigens mussten bereits bei tiefer Grund-Stimmung sämtliche Mundstücke ungewöhnlich weit auf den Kork geschoben werden. Bei 444 Hz war der Kork unter dem Mundstück vollständig verschwunden. Mit dem Soloist Mundstück ist die Intonation über den gesamten Tonumfang sehr ausgeglichen. Dies ist recht erfreulich: Aufgrund des modifizierten Tonlochnetzes waren die Erfahrungen mit dem alten Mk-VI nur von begrenztem Nutzen. Die Intonation musste also wieder ganz neu abgeglichen werden. Dies ist erfreulich gut und weitgehend ohne´Kinderkrankheiten´ gelungen. Natürlich muss man sich auch auf dieses Instrument einstellen.
Einfach drücken und blasen reicht - wie bei anderen Saxophonen- nicht. Wer Selmer Instrumente spielt, wird mit diesem Instrument sofort gut zurechtkommen. Im Einzelnen: Das untere Register einschließlich der Schallbecher-Töne ist perfekt ausgeglichen. Im zweiten Register tendieren einige Töne (z. B. D2-E2) leicht nach oben, bei den beiden anderen Mundstücken stärker als beim Soloist. Einziger Ausreißer ist die leider deutlich zu große Oktave Cis2-Cis3. Während Cis2 dankenswerterweise nicht zu tief ist, intoniert Cis3 leider viel zu hoch. Auch bei allen Tönen oberhalb von Cis3 muss man ein wenig aufpassen, dass man nicht nach oben abdriftet. Diese Intonations-Besonderheit war ebenfalls bei den beiden anderen Mundstücken stärker ausgeprägt als beim Soloist. Bei Cis3 muss man also aufpassen, alles Übrige ist im gewohnten Rahmen und leicht zu beherrschen.

Klang
Der Sound des Reference ist bei gleicher Spielweise dem Mk-VI recht ähnlich. Er ist schlank, aber nicht dünn. Er ist bei gleicher Spielweise etwas lauter als die Mk-VI Altos - zumindest die frühen, - insofern ein durchaus modernes Instrument, aber es ist noch lange keine ´Donnerbüchse´. Uns gefiel der Sound recht gut: Das Reference schreit nicht, es muffelt nicht, trotzdem ist es auch keine graue Maus. Es hat einen eher mainstreamigen, aber recht charaktervollen Sound. Beobachtet wurde, dass es bei den kurzen Tönen um H-C-Cis mehr strahlt und bei kraftvollem Spiel weiter ´aufmacht´ als man es von älteren Selmer-Saxophonen (und deren Kopien) gewohnt ist. Auch in der tiefsten Lage kommt spürbar mehr, wahrscheinlich aufgrund der größeren Tonlöcher und des größer mensurierten Schallbechers. Wer nicht Mk-VI-Purist ist, dürfte begeistert sein.
Am Durchmesser der höchsten Tonlöchern hat man glücklicherweise keine erkennbaren Veränderungen vorgenommen. Das ist gut so, denn in diesem Bereich vergrößerte Tonlöcher haben bei anderen Saxophonen verhängnisvolle Auswirkungen auf Ansprache und Intonation im Flageolett-Register.
Um eine weiter Stimme zu hören, wurde das Instrument in den Orchestergraben des Musiktheaters Gelsenkirchen mitgenommen. Der Kollege am Altsax, ein großer Verehrer älterer Selmer-Saxophone, probierte das Instrument vor der Show aus, in der Pause nochmals, wechselte dann von seinem ´Super Balanced Action´ auf das Reference 54 und spielte die zweite Hälfte des Gershwin-Musicals ´Crazy for You´ ohne Umstellungsprobleme auf dem neuen Instrument. Kommentar: ´Kauf ich´.
Worauf ich mich dann auch traute, am nächsten Tag zu einem Konzert des Rock-Orchester Ruhrgebeat ,statt des 222Tausender Mk-VI, das Reference mitzunehmen. Es war ein völlig vertrautes Spielgefühl, und innerhalb des Bläsersatzes zeigten sich keine Überraschungen hinsichtlich der Intonation.

Zubehör
Trageband, Wischer, Etui, Mundstück: Fehlanzeige. Zwar erhielten wir das Altsax in einem Etui (Selmer Light) und mit Mundstück: Selmer Soloist Kautschuk Bahn D, einer nostalgischen Neuauflage der von den 40ern bis zum Jahr 1976 hergestellten Soloist Modell, das Selmer vor 2 Jahren auf den Markt brachte. Aber: Sämtliches Zubehör kostet extra. Dies macht Selmer schon seit über 10 Jahren so. Man geht davon aus, dass die Kunden, was Mundstücke und Etuis betrifft, Profis mit ganz bestimmten und eigensinnigen Vorlieben sind. Damit nichts Überflüssiges erworben und bezahlt werden muss, gibt es bei Selmer Paris generell keine Paket-Angebote. Sämtliches Zubehör muss einzeln erworben werden. Das schließt natürlich nicht aus, dass Fachhändler günstige Paket-Angebote offerieren.

Pro und Contra

+ gelungene Kombination aus modernen und vintage Eigenschaften
+ eigenständiger Sound
+ gelungene Optik
+ sehr angenehmes Spielgefühl

- Oktave Cis2-Cis3 zu groß

Zu den Altsaxophonen der Reference-Serie

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